Um 7:00 Uhr werden wir telefonisch von Uta geweckt da heute unser nächster Ausflug ansteht. Auf dem Klo sitzend mache ich einen Gesundheitscheck und stelle fest, dass es mir ganz gut geht. Außer Moni kommen alle mit auf die Tour, sie hat keine Lust und muss sich wohl mal von Mööö erholen. Zusätzlich werden wir heute noch von Adolf, einem deutschen Rentner den wir im Hotel kennen gelernt haben, begleitet.
Die Zeit zwischen dem Frühstück und unserer Abfahrt um 9:00 Uhr nutze ich sicherheitshalber um noch zweimal aufs Klo zu gehen. Kurz nach 9. 00 Uhr taucht unser Tourbus auf und wir werden von Waldo, unserem deutschen Fahrer begrüßt. Waldo stammt aus dem Kölner Raum und wohnt schon seit einiger Zeit auf der Insel, er klingt wie Jean Pütz aus der Hobbythek und scheint ein ganz lustiger Vogel zu sein. Thümmi und Ingo sind schon an Bord und außerdem ein unscheinbares junges Liebespärchen und ein etwas älteres Paar die mich an die Munsters erinnern – nur in Farbe. Kurz nachdem wir den Hotelkomplex verlassen haben und auf der Landstrasse in Richtung Cabarete fahren, hält Waldo plötzlich und ein langhaariger Typ springt hinten auf den Bus.
Es ist Michi, ebenfalls ein Deutscher und unser Tourenführer für heute.
Nach 20 Minuten sind wir in Cabarete und Waldo hält plötzlich wieder an. Er muss Eis kaufen, damit wir später die Rumcola nicht lauwarm runterspülen müssen. Nebenbei erwähnt er, dass es auf der Fahrt ganz besondere Schnäppchenangebote gibt. Immer wenn wir ein Geschäft sehen an der ein Werbeschild der Biermarke „Brama“ hängt, könnten wir uns melden, da es dort 3 große Flaschen „Brama“ zum Sensationspreis von 110 Peso zu kaufen gibt. Wie es der Zufall will stehen wir gerade vor einem dieser Schilder und Thümmi und ich gehen sofort in den Laden um das Lockangebot zu testen. Ausgerüstet mit ein paar Flaschen eiskaltem Billigbier fahren wir weiter. Michi erzählt uns während der Fahrt ein paar Anekdoten und irgendwann kommen wir an unserem ersten Etappenziel an, dem so genannten Tsunamistrand. Waldo erzählt uns, dass hier in den 90-er Jahren mal ein Riesenwelle ein Stück Strand verschluckt hat und gießt ganz nebenbei endlich die erste Runde Rum ein. Nach einer viertel Stunde und ein paar Fotos, fahren wir weiter. Der nächste Ort in den wir kommen heißt Rio San Juan und wir bitten Waldo doch am nächsten „Brama“ Schild noch mal zu halten, weil wir Nachschub brauchen. Wir  halten an einer Tankstelle und Waldo geht gemeinsam mit Mööö in den Tankstellenkonsum um  Billigbrama nachzuladen. Als Mööö mit einer weißen Plastiktüte voller Bier wieder auftaucht, komme ich mir ein bisschen vor wie bei einem Alkoholikertreffen hinter dem Pennymarkt. Beim einsteigen sagt Waldo, dass wir gleich an einer Kakaoplantage halten werden und er uns dort ein paar interessante Sachen zeigen wird. Einige Kilometer weiter halten wir an ein paar Hütten vor denen ein paar Typen sitzen und die Zeit mit Domino spielen totschlagen. Waldo führt uns hinter die Hütten, zeigt uns Kakaobäume und lässt uns Kakaobohnen kosten, die nach nichts schmecken und die Konsistenz von einer Kamelaule haben. Das interessanteste ist allerdings, dass wir innerhalb von Sekunden von Ameisen und Moskitos heimgesucht werden und Uta kurz vor einem hysterischen Anfall steht und wild um sich schlägt. Waldo hat offensichtlich ein Einsehen und wir verlassen den heimtückischen Ort um noch einen Bummel durch die Wohnhütten zu machen. Zwischen den Hütten steht die Oma der Familie und bietet für 10 Peso selbstgebrauten Kaffee an. Nebenan, in der rustikalen Küche, steht eine junge Frau und kocht gerade das Mittagessen für die Dominospieler. Es liegen zwar einige abgehackte Fischköpfe und andere Organe in der Gegend rum aber Uta lässt es sich nicht nehmen von der Soße zu kosten in der der Schokohase gerade liebevoll rumrührt und ist von ihrem Geschmack begeistert. Irgendwie ist es schon faszinierend wie locker man hier ist und ich male mir aus wie es wäre, wenn eines Tages eine polnische Reisegruppe bei mir klingeln würde, in meine Küche rennt und wortlos über meine Rouladen herfällt – es würde die deutsch/polnischen Beziehungen auf jeden Fall nicht positiv beeinflussen.
Natürlich werden wir zum Abschluss noch geschickt durch die obligatorische Souvenirhütte geschleust und nach einigem Hin und her erliegt Uta ihrem Kaufzwang und kauft sich eine Holzfigur um damit später Entchen sein Wohnzimmer zu verschönern. Unser nächster Halt ist die Hauptattraktion der heutigen Tour, eine blaue Grotte. Das Wasser ist glasklar, strahlend blau und scheißkalt. Während wir baden und ich versuche die Wassertemperatur durch Eigenurin etwas zu erhöhen, bereiten Waldo und Michi das Mittagessen vor. Es gibt selbstgebauten Nudelsalat und Rum. Bevor wir uns auf den Rückweg machen, taucht ein einsamer Souvenirverkäufer auf und bietet noch schnell seine Ware feil. Um uns auf die lange Rückfahrt vorzubereiten trinken wir noch eine Portion Rum und fahren dann los. Für den nächsten Programmteil unserer Tour, biegt Waldo nach einiger Zeit nach links von der Hauptstrasse ab und bringt uns zu einem Wasserfall. Angelockt vom Motorengeräusch  tauchen plötzlich aus allen Ecken einheimische Dschungelbewohner auf und Waldo präsentiert uns drei Jugendliche die gleich ihr Leben für uns aufs Spiel setzen indem sie todesmutig den 12 Meter hohen Wasserfall hinunter springen werden.
Nachdem die drei geisteskranken Bengel tatsächlich einige Male hinunter gesprungen sind, stehen wir applaudierend vor ihnen, drücken ihnen jeder ein paar Pesos für ihre geistige Heilung in die Hand und fahren kopfschüttelnd weiter. Der nächste Stopp ist an einer kleinen, menschenleeren Bucht, die aussieht wie aus einem Hochglanzkatalog. Eigentlich habe ich keinen Bock zum baden, aber nachdem ich eine Weile auf einer Palme liegend beobachte wie Uta und Anke immer wieder wie Mobby Dick hinter mannshohen Wellen verschwinden, springe ich doch ins Meer. Nach fünf Minuten Badespass, mit einigen Überschlägen, kämpfe ich mich zurück ans Ufer und hole mir erstmal eine Hand voll Sand und mehrere Festmeter Treibholz aus der Badehose. Zurück am Jeep empfängt mich Thümmi mit einem Becher Rum, den ich mir jetzt redlich verdient habe.
Nachdem wir wieder einige Kilometer zurückgelegt haben, halten wir wieder an und werden Augenzeugen einer Showkokosnussernte. Für die Einheimischen sind grüne Kokosnüsse das geschmackliche Non plus ultra, für mich schmecken sie allerdings wie gedünstete Fußlappen. Bevor wir weiterfahren, subventionieren wir natürlich noch die Kokospflüger und drücken ihnen auch ein paar Pesos in die Hand. Ich hoffe insgeheim, dass wir nicht noch weitere Plantagen besuchen, da ich sonst wegen der hohen Trinkgeldkosten den nächsten Flieger nehmen muss. Da es schon relativ spät ist und wir noch einige Kilometer zurücklegen müssen, drängt Waldo zum Aufbruch. Der letzte offizielle Programmteil ist ein Besuch auf einer Krokodilfarm. Auf der Farm leben exakt ein Minikrokodil, eine Schlange, zwei unglaublich hässliche Echsen und ein bunter Vogel, der Entchen zur Begrüßung freundschaftlich den Finger blutig hackt.
Die letzten Kilometer herrscht im Jeep relative Ruhe. Alle scheinen leicht kaputt zu sein und wir wollen jetzt so langsam zurück ins Hotel. Besonders Ulla wird unruhig weil um 18. 30 Uhr unser zweites Galaessen im Oceangrill ansteht und man sich ja schließlich noch aufdonnern muss.
Leider wird unsere Rückfahrt noch mal außerplanmäßig unterbrochen weil Herman Munster, unser zahnloser Mitfahrer, unbedingt noch ein Foto von einer ausrangierten Dampflok schießen muss. Obwohl das Gewaltpotenzial im Jeep steigt, nehmen wir den Umweg in Kauf.
Gegen 18:00 Uhr sind wir zurück im Hotel, wir verabschieden uns, natürlich mit Trinkgeld, von Waldo und Michi und bedanken uns für den schönen Tag. Während der letzten Kilometer der Fahrt haben Uta, Entchen, Chantal und ich beschlossen, am heutigen Galaessen nicht teilzunehmen. Ulla nimmt es erstaunlich gelassen auf und wir gehen alle Mann zum duschen. Das Hotel ist inzwischen knackend voll und es wimmelt von Einheimischen in Abendgarderobe. Beim duschen verstopfe ich kurzzeitig den Abfluss, da mir aus sämtlichen Körperöffnungen Holzstückchen und tote Algen fallen. Da Chantal noch ein paar Zigaretten braucht gehe ich mit ihm gemeinsam ins Plaza. Wir machen einen kleinen Abstecher zu Dieter und erfahren von ihm, dass in unserem Hotel am Wochenende eine Konferenz von einheimischen Kommunalpolitikern stattfindet und erklärt uns damit die Invasion der Menschen. Als wir zurückkommen ist Entchen bereits im Bett und die anderen lungern wie immer an der Bar rum. Gegen 21. 00 Uhr beginnt eine Art Karneval in Rio. Eine Merengueband  gibt auf der Bühne alles und die Konferenzteilnehmer beginnen sich einen Wolf zu tanzen. Ich ziehe mich gegen 22. 00 Uhr erst aufs Klo und anschließend ins Bett zurück wo ich bei  einer Portion Damengolf einschlafe.

 

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