Die Nacht verlief bis auf zwei Klobesuche normal. Am Morgen sitzen wir wie immer auf dem Balkon, rauchen unsere Morgenzigarette und Chantal trinkt sein Sonnenaufgangsbier. Chantal hat heute wieder einen Ausflug geplant, er will mit Thümmi, Ingo und ein paar notgeilen österreichischen Rentnern, die jedes Jahr  auf der Insel überwintern, nach Puerto Plata zum Frühschoppen fahren. Ich hätte zwar die Möglichkeit mit zu kommen, aber da Chantal den Ausflug heimtückisch hinter meinem Rücken geplant hat, habe ich keine Lust.
Um halb neun gehen wir zum Frühstück und treffen dort die anderen. Ich entscheide mich für ein halbes Marmeladebrötchen und ein hart gekochtes Ei und hoffe, dass es wenigstens für eine Stunde in meinem Körper bleibt. Während wir alle nach dem Frühstück zum Strand gehen verabschiedet sich Chantal in Richtung Frühschoppen.
Der Vormittag verläuft erstmal relativ unspektakulär. Moni setzt wieder ihren Miss Marple Hut auf, Mööö liest zum zehnten Mal seine Motorradzeitschrift durch, ich liege einfach nur so in der Gegend rum und wir alle bewundern nebenbei Ullas Pusteln, die ihr seit ein paar Tagen am ganzen Körper wachsen. Inzwischen haben diese Pusteln ungefähr die Größe von Popcorn erreicht, sehen aber nicht zwingend so appetitlich aus. Riesengroße, mit Flüssigkeit gefüllte Beulen von denen ich jederzeit erwarte, dass sie explodieren und haarige Monster rausfliegen. Auch einer vorbeigehenden Strandmassagefee fallen Ullas Beulen sofort auf und nachdem sie mehrmals auf Spanisch „Oje“ gesagt hat, verspricht sie am Nachmittag wieder zu kommen um sie zu heilen.
Zum Mittag gönne ich mir wieder ein kleines Stück Pizza und zwei Gläser Wasser mit viel Eis, um meine Darmtätigkeit anzuregen. Zurück auf der Liege, zünde ich mir eine Zigarre an und mache etwas Urlaub. Nach einiger Zeit taucht auch tatsächlich die Strandfee wieder auf  und fängt an Ulla mit einer weißen Pampe zu verarzten. Sie betupft Ullas Beulen mit der weißen Masse und sie sieht am Ende aus wie ein mutierter Fliegenpilz. Ulla scheint sich aber so zu gefallen und sie gibt der Strandfee, die Augen voller Dankbarkeit, ein paar Peso Praxisgebühr.
Gegen 16. 00 Uhr brechen wir die Zelte am Strand ab und wir machen unseren üblichen Boxenstopp an der Poolbar. Ich beschließe Weiswein zu trinken und bemerke, dass es sehr gut läuft. Nach dem fünften Glas, ohne das Bewusstsein zu verlieren, habe ich bereits gegen 17. 30 Uhr einen neuen persönlichen Weißweinrekord im Urlaub aufgestellt, merke allerdings auch schon eine leicht beschwingte Stimmung in mir aufkommen. Inzwischen ist auch Chantal frohgelaunt vom Frühschoppen zurück und protzt sofort mit Digitalbildern von, zugegebener Maßen, äußerst leckeren Schokomöpsen rum. Ich bin zutiefst verletzt, beleidigt und könnte mir ein Loch in den Arsch beißen weil ich nicht mitgefahren bin. Während er Möpse fotografiert hat, musste ich mir den ganzen Tag Ullas Pusteln am Strand ansehen. Völlig frustriert hole ich mir noch einen Wein, nenne Chantal eine Nutte und gehe dann duschen.
Das Abendessen verläuft recht lebhaft und meine Laune hat sich auch wieder gebessert, bis Chantal wieder die Kamera rausholt und mit Möpsen rumprotzt. Als er auch noch erwähnt, dass er die Telefonnummer von den Möpsen hat, winke ich Monchici zu er solle mir „White Vine“ kredenzen und das ist das Letzte, was ich von diesem Abend weiß.

 

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