Um 2. 00 Uhr klopft es an die Zimmertür. Wie im ganzen Urlaub ist es natürlich keine karibische Schönheit die vor der Tür steht, sondern nur Chantal. Heute sieht er allerdings besonders entzückend aus. Er ist völlig gelöscht. Ich erfahre noch kurz von ihm, dass Mööö nicht besser aussieht und dann fällt er ins Koma. Da ich einmal wach bin nutze ich die Gelegenheit um aufs Klo zu gehen und lasse mich dann von Chantal in den Schlaf schnarchen. Um 8. 00 Uhr bin ich, im Gegensatz zu Chantal, wach. Er sieht unglaublich Scheiße aus und fühlt sich wohl auch so. Er bleibt noch liegen und so kommt es, dass wir am letzten Tag zum ersten Mal nicht gemeinsam frühstücken gehen. Eigentlich freut es mich insgeheim, dass er endlich mal eine Schwäche zeigt, denn ich hatte schon Komplexe entwickelt.
Nach dem Frühstück packen wir schon mal grob die Klamotten zusammen und gehen zum Strand. Da wir um 13. 00 Uhr ausgecheckt haben müssen, aber erst um 20. 00 Uhr abgeholt werden, bringen wir am Mittag unser Gepäck in die Lobby und bekommen ein Zimmer zur Verfügung gestellt um vor der Abreise noch mal duschen zu können.
Nach dem Mittag gehen wir alle ein letztes Mal wehmütig an den Strand und lungern so rum. Uta, Chantal und ich gehen am Nachmittag zu Thümmi und Ingo um endgültig Tschüss zu sagen und wir beneiden sie, weil sie noch zwei Tage bleiben können.
Um 16. 00 Uhr versammeln wir uns ein letztes Mal an der Poolbar. Wir sind zwar alle nicht begeistert, dass der Urlaub schon vorbei ist aber Anke sieht hochgradig Suizidgefährdet aus. Sie hat sich in den letzten 14 Tagen komplett in die Menschen, dass Klima und die Grundnahrungsmittel verliebt und für sie ist jetzt schon klar, dass sie wiederkommen wird.
Chantal und ich beginnen mit der Dusch- und Umziehorgie im Ersatzzimmer und sind nachweislich die schnellsten. Die Hotelrezeption hat schlauerweise das gleiche Zimmer noch an Engländer vermietet, was wohl zu kurzen Irritationen, um nicht zu sagen fast zu einer Frauenschlägerei führt.
Nachdem alle fertig sind gehen wir ein allerletztes Mal in die Kantine. Im Gegensatz zu Anke war mir dieser Ort in den letzten 14 Tagen nicht so wichtig, aber trotzdem beschleicht auch mich auch hier ein Gefühl von Wehmut. Während wir anschließend in der Lobby auf den Bus warten, schießen wir die letzten Fotos vor einem kitschigen Weihnachtsbaum und trinken noch einen Abschieds- Mamajuana. Die Fahrt zum Flughafen verläuft erschreckend ruhig und auch die anderen Pauschaltouris die im Bus sitzen, sehen irgendwie deprimiert aus, allerdings kann keiner in dieser Beziehung Anke das Wasser reichen.
Das Einchecken verläuft normal. Moni wird nicht gefilzt, was aber sicher passiert wäre, wenn sie ihren Strohhut aufgehabt hätte. Die Zeit bis zum Abflug verbringen wir in einer Flughafenbar und auf dem Klo.
Beim Einsteigen in den Flieger bin ich zu faul um mich über die Buissensclass aufzuregen und gehe einfach auf  zu meinem Sitz. Unser Pilot hat diesmal einen deutlichen Englischen Akzent und ich überlege ob es rechts gesteuerte Flugzeuge gibt. Er teilt uns erfreut mit, dass wir Rückenwind haben werden und dadurch etwas schneller zu Hause ankommen, was die ganzen Passagiere nicht wirklich in Ekstase versetzt. Leider erledigt sich die Sache mit dem Rückenwind bereits vor dem Start weil irgendein Koffer nicht gefunden wird und wir dadurch eine Stunde rum stehen.
Bevor wir dann doch endlich starten, bitte ich Anke noch nicht den ganzen Flug zu heulen und versichere ihr, dass alles gut wird.
Durch irgendwelche Unwetter verläuft der Flug anfangs recht rumpelig, was mich aber dazu animiert, dass ich zum ersten Mal im Flugzeug fest einschlafe. Als ich die Augen wieder aufmache sind es nur noch zwei Stunden bis zur Landung die ich in der Hauptsache damit verbringe, Stewardessen zu bespannen. Beim Landeanflug sehen wir schon das Elend auf uns zukommen – Schneeregen. Unser Rechtsfliegender Engländer legt trotzdem eine butterweiche Landung hin und der Flieger klatscht mal wieder.
Wir müssen wieder durch den ganzen Flughafen toben um erstmal unser Gepäck  zu bekommen. Es dauert wieder ewig bis alle Taschen und Schrankwände aufgetaucht sind und wir zur Passkontrolle können. Nach der Passkontrolle klopft mir plötzlich ein Mann auf die Schulter, hält mir einen Ausweis unter die Nase, behauptet er heißt Deutscher Zoll und will mal meinen Pass sehen. Während er sich in mein Passbild verliebt, fragt er mich wo ich herkomme und ich antworte: “Urlaub“. Er fragt mich von wann bis wann mein Aufenthalt war und ich antworte ihm: „14 Tage“. Darauf hin gibt er mir meinen Pass zurück und wünscht mir einen schönen Tag. Seit diesem Moment habe ich definitiv keine Angst mehr vor Terroristen.
Nach einer kurzen Fahrt mit der S-Bahn sind wir am Frankfurter Hbf. und frieren. Es herrscht immer noch völliges Chaos bei der DB aber glücklicherweise fährt der einzige einsatzbereite Zug in Richtung ehemalige Ostzone schon in 20 Minuten. Wir zwängen uns in ein Großraumabteil und ich ergattere einen Notklappsitz. Der Zug wird immer voller und überraschenderweise besitzen außer mir auch noch andere Menschen Gepäck. Nach kurzer Zeit sind wir völlig zugemüllt und mein Sitzplatz erweist sich als reichlich sinnlos, weil ständig irgendwelche Birnen an mir vorbei wollen, ich deshalb ständig aufstehen muss und mir nach kurzer Zeit vorkomme wie bei einem Aerobickurs.
Als wir in Gotha ankommen schneit es und die ersten  Worte die ich im vertrauten Dialekt vor dem Bahnhof  von einem Punker höre sind:“ Ich hasse alle Menschen“. Leider bin ich restlos pleite und kann nicht sofort wieder zurück fliegen.


Nachwort

Alles in allem war es ein schöner Urlaub. Das schlechte Wetter der ersten Tage haben wir uns erträglich getrunken und größere Reibereien sind auch ausgeblieben. Unsere vier Inselamateure scheinen auch vom Karibikfieber angesteckt worden zu sein. Chantal hält seitdem, via Webcam ständig Blickkontakt zu Schokomöpsen und besonders Anke hat es erwischt. Sie zählt seit unserer Rückkehr die Tage bis zum nächsten Abflug. Das Hotel war wirklich topp und den anderen scheint auch das Essen geschmeckt zu haben. Für mich persönlich ist es genauso abgelaufen, wie ich es im Vorfeld vermutet hatte. Natürlich gibt es auch ein paar kleine Wermutstropfen. Für meinen Geschmack hat Moni`s Strohhut die harmonische Strandidylle optisch schon etwas versaut. Chantal stand bei seinem ersten Inselbesuch bereits näher vor Sex mit Schokohasen, als mir es jemals in diesem Leben vergönnt sein wird und ich werde wohl langsam alt, wenn ich bereits von 4 Gläsern „White Vine“ völlig fertig bin. Zu guter letzt hat Ulla wohl die gesamte Nordküste der Insel mit ihrer europäischen Beulenpest verseucht und für Jahre unbewohnbar gemacht.
Aber da es den perfekten Urlaub wohl nicht gibt, rege ich mich nicht weiter auf und beende meinen Bericht mit Chantals Worten……………

„Immer wieder gern!“

© by FIPS