Gegen 6.00 Uhr werde ich durch rege Darmtätigkeit wach. Ich flaniere zum Klo und widme mich meinem Haupthobby der nächsten 14 Tage. Obwohl ich mich eigentlich gut gerüstet gefühlt hatte, hat sich Konsistenz im tropischen Klima wieder dramatisch schnell verändert. Zu allem Überfluss stelle ich auch noch ein Zucken und rhythmisches Hämmern im großen Zeh fest, was auf einen bevorstehenden Gichtanfall hindeutet. Noch im sitzen werfe ich mir eine Kapsel Diclo 75 akut in den Rachen und nehme mir vor, die Behandlung im Laufe des Tages mit reinem Alkohol fortzusetzen. Als ich zurück ins Bett gehe stelle ich fest, dass es in unserem Zimmer recht frisch und sehr windig ist was wohl daran liegt, das der Deckenpropeller über unseren Betten auf Hochtouren läuft. Gott sei Dank haben wir uns schlauerweise mit den Tagesdecken zugedeckt, die zwar ungefähr 12 Kilo wiegen, aber recht kuschelig und winddicht sind.
Um 8.45 Uhr stehen wir beide endgültig auf. Nach dem duschen werfen wir uns zum ersten Mal in unsere kurzärmelige Urlaubskleidung und bevor wir das Zimmer verlassen mache ich noch einen kurzen Abstecher auf das Klo.
Während wir uns durch das reichhaltige Frühstücksangebot suchen überfällt mich sofort wieder meine altbekannte Appetitlosigkeit. Um den Weg nicht völlig umsonst gemacht zu haben, schaufele ich mir ca. 20 Gramm Rührei auf den Teller und garniere es mit einem kleinen Brötchen. Wir setzen uns zu Anke und dem Weißkopfadlerpärchen und stellen nicht ohne Stolz fest, dass wir die letzten sind die Erscheinen. Obwohl das Wetter recht bescheiden ist, sind Entchen, Uta und Ulla zum Strand, die Lage checken. Wir beschließen nach dem Frühstück ins Plaza, dem Einkaufscenter der Hotelanlage zu gehen. Ich muss Geld tauschen, brauche Zigaretten und ich hoffe, dass wir Dieter treffen der im Plaza arbeitet. Mein üppiges Frühstück hat sich mit rasantem Tempo in Durchfall verwandelt und ich muss noch mal eiligst zurück ins Zimmer, bevor wir starten.
Als wir dann loslaufen fängt es ordentlich an zu regnen. Bis zum Plaza sind es nur fünf Minuten Fußweg und als wir ankommen brauche ich erst mal ein paar Momente um mich zu orientieren. Wir werden sofort von allen Seiten von Tourenverkäufern und anderen Gangstern voll gequatscht. Nachdem ich Geld getauscht habe versuche ich den Stand von Dieter zu finden. Auf dem Weg dorthin kommt uns ein völlig abgerissener Typ mit Krücken entgegen, den ich sofort wieder erkenne. Ein deutscher Profialkoholiker, der seit einigen Jahren hier lebt. Er erkennt mich auch wieder und als ich ihn frage warum er an Krücken geht erzählt er, dass er im Frühjahr ausgerutscht ist und sich dabei die Hüfte gebrochen hat. Auf meine scheinheilige Frage ob er dabei nüchtern war antwortet er:“ Sehe ich so bescheuert aus?!“ Bevor wir uns verabschieden erzählt er uns noch, dass Dieter erst am Nachmittag da ist und dann begibt er sich auf Getränkesuche.
Inzwischen hat es zwar aufgehört zu regnen, aber Strandwetter sieht anders aus. Wir nehmen ein kurzes Getränk an der Poolbar, das sich bei mir wieder sofort in Durchfall verwandelt. Um überhaupt noch etwas zu machen schlage ich nach meiner Rückkehr zur Bar vor, dass wir uns auf die Suche nach Thümmi machen. Thümmi ist ein Bekannter aus Berlin den wir im letzten Jahr hier kennen gelernt haben und der mit einem Kumpel im Nachbarhotel wohnt. Bei unserem Strandspaziergang kommen wir auch an dem Hotel vorbei, in dem wir letztes Jahr waren und in dem ich in einer legendären Nacht zum „Mr. Dorado Club“ gewählt wurde. Der Strandabschnitt ist völlig menschenleer, das Hotel geschlossen und die ehemalige Beachbar sieht aus wie eine Ruine. Um keine Schuldgefühle aufkommen zu lassen laufen wir schnell weiter.
Kurz darauf entdecken wir Thümmi zwischen Grünen Strandliegen. Wir begrüßen uns überschwänglich und machen ihm klar, das jetzt Schluss ist mit lustig.
Als wir gerade mitten im Gespräch sind, taucht plötzlich aus dem Hintergrund ein Strandverkäufer auf, der sofort völlig hysterisch wird nachdem er uns erkannt hat. Es ist El Katastrofico, der Entchen im letzten Jahr, nach einem kleineren Getränkeunfall, in der Beachbar mit Servietten verbunden hat.
Nachdem er sich beruhigt hat gehen wir wieder zurück zum Hotel. Das Wetter ist nach wie vor Scheiße und wir machen erst mal Rast in unserer Strandbar. Ich versuche feste Nahrung zu mir zu nehmen und lasse mir von einem Koch mit sensationell abstehenden Ohren, einen Cheesburger zusammenbasteln. Wie nicht anders zu erwarten, verwandelt er sich innerhalb von 10 Minuten in Dünnschiss und ich muss dringend den Mittagstisch verlassen. Nach der eiligen Sitzung fühle ich mich irgendwie schwächlich und haue mich aufs Bett. Ich zappe mich durch allerlei internationale Fernsehsender und döse dabei ein. Gegen 17.00 Uhr werde ich wach und gehe ohne Umschweife sofort wieder aufs Klo. Danach fühle ich mich eigentlich relativ fit und begebe mich Richtung Basislager. An der Poolbar sitzen nur Mööö, Nono und Entchen. Sie sind alle schon leicht hingerichtet und lachen mich reichlich sinnfrei an. Ich bestelle mir ein Mineralwasser und ernte dafür Standing Ovations von den drei Hingerichteten. Gegen 18.30 Uhr ist die ganze Reisegruppe komplett und wir gehen gemeinsam zum Abendessen. Das leise Hungergefühl, das ich verspürt hatte, löst sich sofort in Wohlgefallen auf, als ich dem reichhaltig gefüllten Buffet Auge in Auge gegenüber stehe. Um nicht aufzufallen packe ich mir etwas auf den Teller und gehe zurück an unsere festliche Tafel. Als ich  schon fast fertig bin mit Essen, kommt Anke von ihrer ersten Buffetsafari zurück und steht fast vor einem Nervenzusammenbruch. Sie ist völlig überwältigt von der Auswahl und verkündet, dass sie mit Sicherheit alles mindestens einmal testen wird, weil prinzipiell alles original lecker aussieht. Ich unterdrücke meinen Brechreiz und konzentriere mich derweil visuell auf das weibliche Bedienungspersonal, dass meinen Augen viel Freude bereitet.
Nach ungefähr 20 Minuten beginnt Anke ihren dritten Hauptgang. Ich kann nicht anders und rechne die Portion sofort in Durchfall um und komme zu dem Schluss, dass mein Jahresurlaub nicht reichen würde um die Zeit auf dem Klo abzuarbeiten. Während in meinem Darm schon wieder Großalarm herrscht, gönnt sich Anke noch einen kleinen Nachtisch. Während sie in ihrer unnachahmlichen Art zurück an den Tisch schwebt bemerke ich, dass sie jetzt sogar feuchte Augen hat und leicht Hyperventiliert. Anke teilt uns kreischend mit, dass sie Windbeutelschwäne entdeckt hat. Ich habe keine Ahnung was das sein soll, es sieht aber aus wie essbare Haustiere. Jetzt ist mir endgültig schlecht und ich übernehme Anke ihre Verdauung mit. Nach der Sitzung bin ich völlig unpässlich. Um überhaupt noch in irgendeiner Form feste Nahrung zu mir zu nehmen, werfe ich mir noch schnell eine Gichtkapsel ein und  verende auf dem Bett.

 

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