Um halb neun werden Nono und ich wach. Nono beschließt sich erst einmal die Zähne mit dem Bier aus der Minibar zu putzen. Wir setzen uns gemütlich auf den Balkon und rauchen unsere Morgenzigarette. Mein Darm scheint sich etwas beruhigt zu haben, ich wüsste auch nicht was er im Moment noch zu verdauen hätte. Das Wetter ist immer noch mies, es regnet Bindfäden. Beim Frühstück will ich meinen Darm nicht weiter provozieren und ich beschränke mich auf zwei Tassen Kaffee und ein Glas Wasser, was die Sache aber auch nicht unbedingt besser macht. Wir setzen uns zu den anderen an den Tisch und das übliche Frühstückspalaver beginnt. Strand können wir heute wohl auch wieder abhaken. Nono und ich sorgen für einen spontanen Freudenausbruch, weil wir gerade von den anderen erfahren, dass die Hotelbetten doch Kopfkissen besitzen. Wir hatten die ganze Zeit unsere edlen Häupter auf Litfasssäulengroße Nackenrollen gebettet, die eigentlich nur zur Zierde da sind. Es kann ja auch keiner ahnen, das die Kopfkissen hier im Wandschrank über dem Safe aufbewahrt werden…na ja, jedenfalls haben wir es nicht geahnt.
Während des Frühstücks keimt Hoffnung auf da die Wolkendecke aufreißt und tatsächlich etwas blauer Himmel zu sehen ist. Wir eilen sofort ins Zimmer und werfen uns in unser Strandoutfit. Genau zu dem Zeitpunkt als wir am Strand ankommen fängt es wieder an zu regnen. Wieder zurück im Zimmer setze ich mich mehr aus Frust erstmal aufs Klo.
Da das Personal an der Poolbar noch nicht bereit ist uns zu bedienen gehen wir alle Mann ins Plaza um uns nach ein paar Ausflügen zu erkundigen. Wir werden sofort wieder von allen Seiten zugequatscht und mit Flyern beworfen. Unsere Inselneulinge interessieren sich prinzipiell für alle angebotenen Touren, wollen aber erst  Preise vergleichen. Die Touren sind nicht unbedingt brandneu für mich und ich warte ab, was man sich so aussuchen wird.  Um dem Vormittag wenigstens etwas Sinn zu geben, kehren wir noch schnell ein halben Stündchen im „Hemingways“ ein. Das „Hemingways“ hat einen Entscheidenden Vorteil gegenüber allen Hotelbars, es gibt Flaschenbier, das deutlich besser schmeckt als die Fassplörre im Hotel.
Wir gönnen uns zwei Bierchen und ich bemerke ein leichtes Durstgefühl in mir aufkeimen. Es könnte doch noch ein guter Tag werden.
Inzwischen hat es auch mal aufgehört zu regnen. Außer Entchen gehen wir alle zum Mittagessen. Er geht sofort zu Poolbar um sich dort schon mal ein paar Snacks zu gönnen. Ich quäle mich mit ein paar Nudeln und muss dabei beobachten, wie die anderen sich Schubkarrenweise Essen reinschaufeln. Leicht angewidert von diesem Anblick, gehe ich mit Nono zur Poolbar um Entchen Gesellschaft zu leisten. Uta und die Inselamateure wollen gleich noch mal ins Plaza um jetzt doch die Ausflüge zu buchen. Wir drei winken ihnen fröhlich zu und wünschen ihnen maximale Erfolge.
An der Poolbar wird jeden Tag ein „Drink of the day“ angeboten. Die heutige Kreation nennt sich Cocoloco. Es ist eine Mischung aus Kokosbrei und weißem Rum, unglaublich süß aber sehr süffig. Um der Gefahr zu begegnen mich einseitig zu ernähren, nehme ich zwischendurch auch mal einen Wodka-Orange zu mir. Die Frequenz unserer Getränkebestellungen ist für diese Tageszeit schon recht hoch und zeigt auch Wirkung. Niemand von uns dreien würde nüchtern  auf  die Idee kommen freiwillig Tischtennis zu spielen, in unserem momentanen Zustand fühlen wir uns aber geradezu dafür berufen. Die Regeln sind recht Überschaubar – derjenige der gerade nicht spielt, holt Cocoloco. Da uns Tischtennis schnell zu schweißtreibend wird, versuchen wir anschließend lieber Billard zu spielen. Nach einer Stunde sind wir so fertig, dass wir wieder einer sitzenden Tätigkeit nachkommen wollen. Gerade als wir uns wieder in unseren Leitstand, die Poolbar zurückziehen wollen, fängt dummerweise das Animationsprogramm an und wir werden gezwungen mit irgendwelchen englischen Pauschaltouristen Behindertenbowling zu spielen. Wir sehen natürlich keinen Stich und beenden jetzt endgültig unsere Paralympics.
Ich habe bei den letzten Bestellungen schon gemerkt, dass sich die Konsistenz des „Cocoloco“ immer mehr verändert. Er wird immer dickflüssiger und erinnert langsam an Fertigbeton. Außerdem fällt mir auf, dass ich schon seit Stunden nicht mehr auf dem Klo war. In der Zwischenzeit sind auch die anderen wieder aufgetaucht und als Uta ihr Entchen sieht, spendet sie kurz Applaus da er bereits jetzt, gegen 16.00 Uhr, die Wahrnehmungsgrenze deutlich überschritten hat.
Gegen 18.00 Uhr mache ich mir deutliche Sorgen wegen meines Darmtraktes, aber diesmal nicht weil ich Durchfall habe sondern weil ich keinen habe und ich beschließe die Probe aufs Exempel zu machen.
Trotz größter Bemühungen gelingt mir nichts. Ich bin begeistert und nehme mir vor den Barkeeper für den nächsten Chemienobelpreis vorzuschlagen. Frohen Mutes kehre ich zur Poolbar zurück und gönne mir noch einen Wundersaft. Gegen halb acht gehen wir zum Abendessen und selbst Entchen ist noch in der Lage sich in die Kantine zu schleppen.
Diesmal kann ich sogar Nahrung zu mir nehmen ohne Brechreiz zu verspüren. Anke pflügt sich wieder mehrmals durch das ganze Buffet. Sie hat sich inzwischen angewöhnt uns jedes Mal zu erklären, was sich jetzt gerade auf ihrem Teller befindet, um kurz darauf in ihrem offensichtlich Gewölbekellergroßen Magen zu verschwinden und beendet ihre Ausführungen stets mit dem Wort: „Lecker“, was ihr inzwischen den Beinamen Frau Biolek eingebracht hat.
Was  allerdings jetzt auf ihrem Teller liegt sieht  alles andere als essbar aus. Irgend was völlig verkokeltes, tiefschwarzes, dass mich an gegrillte Säuferleber erinnert. Anke hingegen erklärt uns, dass es  gegrilltes Rindfleisch ist, das zwar so hart und zäh ist, dass sie es kaum beißen kann, aber natürlich trotzdem unglaublich „Lecker“.
Nach dem Essen gehen wir zurück an die Bar. Entchen hat sein Tagesziel nun endgültig erreicht und wird von Uta 20. 00 Uhr ins Bett entsorgt.
Um 21. 00 Uhr beginnt eine African Danceshow, bei der wieder leckere leicht bekleidete Schokohasen alles geben, um mich in tiefe Depressionen zu stürzen. Um die Depressionen an den Rand des Erträglichen  zu steigern, setze ich mich mit Nono ganz nah an die Bühne um auch die Details deutlich zu erkennen.
Nach dem Ende der Show holen wir uns noch einen Schlummertrunk und gehen etwas missmutig aufs Zimmer.
Nur aus Neugier setze ich mich noch mal aufs Klo und bin über das Ergebnis so stolz, dass ich während des Spülens den Refrain des Rennsteigliedes singe und anschließend nicht einmal vergesse unsere Kopfkissen aus dem Safe zu holen.

 

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