Ich habe die ganze Nacht beschissen geschlafen, weil es draußen wie aus Eimern geregnet hat. Um 5:00 Uhr bin ich endgültig wach und gehe genervt von dem Wetter aufs Klo, um mich zu entspannen. Nachdem ich fertig bin, gehe ich zur Minibar hole mir das Bier heraus, schnappe mir meine Zigaretten und gehe auf den Balkon. Es ist noch recht düster draußen und während ich mich über die Balkonbrüstung lehne um einen Blick auf den Balkon von Entchen zu werfen, steht der plötzlich vor mir und wir bekommen beide fast einen Herzanfall. Vor lauter Schreck geht er wieder ins Bett und trinke gemütlich mein Bier aus. Gegen 7:00 habe ich endgültig soviel Krach gemacht das Nono auch wach wird. Ich bin gerade dabei den Fernsehsender zu suchen, auf dem die „Munsters“ auf Spanisch laufen, als mir die Fernbedienung auf den gekachelten Fußboden fällt und ihren Geist aufgibt.
Ulla, Frau Biolek und unsere Weißkopfadler haben für heute einen Ausflug zur Paradisinsel gebucht und müssen um 8:00 Uhr in der Lobby zur Abholung bereit stehen. Familie Entchen und ich kennen die Tour bereits vom letzten Jahr und Nono hatte einfach keinen Bock darauf. Nono und ich sitzen gerade beim Frühstück, als wir plötzlich die Ausflügler wieder auftauchen sehen. Sie haben eine halbe Stunde sinnlos gewartet und dann erfahren, dass die Tour nicht stattfindet, weil wegen des vielen Regens der letzten Tage einige Strassen nicht befahrbar sind. Ulla fühlt sich völlig angepisst und zetert lauthals durch die Gegend weil man ihr nicht schon vor drei Tagen Bescheid gesagt hat. Nono und ich amüsieren uns köstlich über Ulla, was sie natürlich noch mehr auf die Palme bringt und uns dazu veranlasst den Rückzug anzutreten.
Im Vorfeld unseres Urlaubs hatten wir einen Ausflug schon fest  eingeplant. Wir wollen unbedingt wieder zu Elvis in das Restaurant „Aldi“, wo ich mich im letzten Jahr mit Entchen auf das heftigste betrunken habe. Das Restaurant „Aldi“ liegt etwa eine dreiviertel Stunde Strandfußmarsch von unserem Hotel entfernt und ist eigentlich kein Restaurant, sondern gleicht eher einer idyllisch gelegenen Mülldeponie, bestehend aus drei verfallenen Hütten. Die Klohütte, ausgestattet mit einem Blecheimer, unterscheidet sich optisch allenfalls durch die Größe von der Küchenhütte, aber trotz dieser Umstände haben wir damals unglaublich gut gegessen und viel Spaß gehabt.
Da es in den letzten Tagen ja fast nur geregnet hat und wir auf dem Weg  zu „Aldi“ zwei Flüsse durchqueren müssen beschließen Uta, Entchen, Nono und ich einen Spähtrupp zu bilden um schon mal die Lage zu erkunden.
Beim ersten Fluss angekommen stellen wir sofort fest, dass wir keine Chance haben werden drüber zu kommen, er ist doppelt so breit wie im letzten Jahr und sieht reichlich ungemütlich aus. Sollten wir dann auch noch Mööö als Nichtschwimmer in die reißenden Fluten werfen, würden wir ihn frühestens in einem halben Jahr, aufgedunsen und übel riechend vor der Küste Kubas wieder finden. Auf dem Rückweg gehen wir zu Plan B über und legen fest, dass wir uns ein Boot mieten werden um „Aldi“ in diesem Jahr auf den Seeweg zu erobern.
Den restlichen Vormittag verbringen wir an der Poolbar und weihen die anderen in Plan B ein. Beim Mittagessen bekomme ich eine Art Fressattacke da ich mir sogar Nachschlag hole und ungefähr zweimal 100 Gramm Nudeln esse.
Da es zwischenzeitlich immer mal wieder leicht regnet, haben wir gar keine andere Wahl als den Nachmittag an der Poolbar zu verbringen. Ich spiele mit Entchen und Nono Karten um Zigaretten und nehme dabei leichte Getränke, wie Wodka Orange zu mir. Inzwischen haben wir uns offenbar einen gewissen Status an der Bar erarbeitet, denn zwischenzeitlich bringt uns der Barmann unsere Getränke ohne Aufforderung an Tisch und natürlich hat auch das Trinkgeld von Entchen seine Motivation erheblich gesteigert.
Als wir zum Abendessen gehen bin ich schon leicht beschwingt. Wir treffen diesmal alle ziemlich zeitgleich ein und versammeln uns an einer großen Tafel. In dem Moment als Anke mit ihrem ersten Hauptgang an Tisch zurückkehrt weiß ich, dass sie jetzt schon mehr Nahrung zu sich genommen hat, als ich im gesamten Urlaub schaffen werde. Nachdem sie uns wieder ihre Speisefolge erklärt hat, offenbart sie uns auch noch, dass sie gerade mit dem Eierbrater geflirtet hat. Mir ist der Eierbrater auch schon aufgefallen, nicht unbedingt in sexueller Hinsicht, sondern eher weil er immer unglaublich gelangweilt seine Eier brät - ich glaube er hasst seinen Job.
Während der Mahlzeiten wuseln ständig mehrere Kellner zwischen den Tischen umher und gießen nach Wunsch Getränke nach. Einer von ihnen ist besonders schräg drauf. Er sieht aus wie Monchici und ist nur am lachen und kichern, bevor er mit der Frage rüber kommt: „White Vine?“. Als ich nicke, turnt er sofort los und kommt mit einer Kanne Weißwein zurück. Da der Weißwein sehr süffig ist, nicke ich ihm noch öfter zu und nach der dritten Kanne kann sich Monchici vor lachen kaum noch auf den Beinen halten. Wir blödeln noch eine ganze Weile rum und sind definitiv die Letzten, die den Raum verlassen.
Auf dem Weg zur Poolbar bemerke ich, dass ich schon leichte Kurvenschuhe anhabe, mich aber noch toll in Form fühle. Ich mache an der Bar nahtlos mit Weißwein weiter, was zur Folge hat, dass ich binnen kürzester Zeit völlig besoffen bin. William, der Barmann der heute Dienst hat und aussieht wie Will Smith scheint auch viel Freude zu haben. Im Rausch beschließe ich ihn ab sofort nur noch Wilhelm zu nennen, weil ich der Meinung bin das der Name viel besser zu ihm passt und weil ich gerade so schön dabei bin, gestehe ich Nono meine Liebe und erkläre ihm, dass er von nun an Chantal heißt und er mich Jaqueline rufen darf.
Trotz meines Zustandes schaffe ich es fast bis zum Ende der Veranstaltung und gehe zufrieden in mein Bett.

 

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