Um halb 8 werde ich wach und fühle mich eher schlecht. Nach dem Besuch des Klos und einer Dusche geht es mir auch nicht besser. Chantal ist inzwischen auch wach geworden und nach dem Griff in die Minibar, rauchen wir unsere Morgenzigarette auf dem Balkon und stellen dabei fest, dass die Sonne scheint und wir von blauem Himmel regelrecht  umzingelt sind. Während Chantal seinen Luxuskörper duscht, schaue ich mir auf der DW aktuelle Tagesnachrichten in Spanischer Sprache an. Nachdem Chantal frisch rasiert und ich tagespolitisch auf dem neuesten Stand bin, gehen wir frühstücken. Ich stochere lustlos in zwei Spiegeleiern rum, trinke zwei Tassen Kaffee und freue mich schon auf die Strandliege und einen geruhsamen Urlaubstag.
Chantal und ich sind die letzten die am Strand erscheinen und nach der Begrüßung entdecke ich Moni mit einem äußerst aparten Strohhut in ihrer Liege lümmeln. Der Hut lässt sie um Jahre jünger erscheinen aber trotzdem erinnert sie mich an die Cousine von Mrs. Marple. Nachdem ich meinen, nach monatelangem, von schwerer Arbeit gezeichnetem Körper mit Sonnenöl verwöhnt habe, richte ich mich auf meiner Liege häuslich ein und genieße den Blick auf das Meer. Obwohl es erst 10:00 Uhr ist wird es doch schon knallig warm in der Sonne  und wir gehen baden. Nach ca. 10 Minuten im Wasser habe ich von den Korallen bereits eine Verwundung am Fuß und eine weitere Minute später noch einen am Handgelenk, ertrage es aber wie ein Mann. Als wir zurück auf unseren Liegen sind, dauert es nicht lange bis die ersten Strandverkäufer auftauchen. Ohne viel Palaver kaufe ich eine Flasche Mamajuana für 500 Peso und habe somit mein Tagessoll für heute erfüllt. Kurz darauf kommt Thümmi mit seinem Kumpel vorbei und wir beschließen, dass wir morgen unsere Tour zu Elvis machen sollten. Gerade als wir uns darüber unterhalten, taucht auch der Kettenverkäufer bei uns auf, der ein bisschen deutsch kann und irgendwie stellt sich heraus, dass er der Cousin von Elvis ist. Er meint, dass er ihm ja sagen kann dass wir kommen wollen und  er uns auch helfen würde ein Boot zu organisieren. Wir verabreden uns für morgen um 10:00 Uhr am Strand und sind alle zufrieden.
Da ich keinen großen Hunger habe und sowieso zu faul bin mit den anderen in Kantine zu laufen, gehe ich später mit Uta an die Beachbar um da etwas zu Essen. Ich hole mir etwas Chicken und würge drei Bissen davon herunter. Den restlichen Nachmittag döse ich vor mich hin und unterbreche die Ruhe nur mit zwei Wodka-Orange Pausen. Gegen 16:30 Uhr blasen wir alle langsam zum Aufbruch und werden von Ulla darauf hingewiesen heute Abend pünktlich zu sein, da wir ja heute unser großes a la carte Abendessen im Edelrestaurant haben.
Nachdem wir geduscht haben schmeißen sich Chantal und ich schon mal in unsere Abendgarderobe und gehen in Richtung Plaza. Uns ist nämlich aufgefallen, dass in der Minibar neben Bier auch Cola vorhanden ist, allerdings fehlt der nötige Rum um der Cola das gewisse Etwas zu verleihen. Im zuständigen Getränkefachhandel im Plaza kaufen wir kurzer Hand  0,3 Liter Rum, abgefüllt in einer Plastikflasche.
Bevor wir zum Treffpunkt an der Poolbar gehen nehmen wir im Zimmer noch einen Probeschluck aus unserer Neuerwerbung und stellen fest, dass man das Zeug auf keinen Fall nüchtern trinken darf.
Unser Gala Dinner beginnt um 18:30 Uhr und bis dahin vertreiben wir uns die Zeit an der Poolbar um auf  die anderen zu warten. Nachdem endlich alle eingetroffen sind gehen wir Richtung Restaurant. Wir sind natürlich die ersten und stehen vor verschlossenen Türen, da wir überpünktlich sind. Als wir dann eingelassen werden, führt uns ein dicklicher Schokohase an eine festlich eingedeckte Tafel. Alle Bedienungen laufen in schwarzen Klamotten rum und es sieht regelrecht vornehm aus, was mir sofort leichte Sorge bereitet, wenn ich daran denke was wir für ein Haufen sind. Wir sitzen kaum, da taucht der erste schwarze Mann auf und nimmt die Getränkebestellung auf. Ich entscheide mich sofort wieder für „White Vine“, der guten Erfahrungen wegen. Noch bevor die Getränke serviert werden erscheint der dickliche Schokohase und überreicht uns dreisprachige Speisekarten. Da sich mein Appetit  wieder in Grenzen hält verzichte auf eine Vorspeise und bestelle mir ein Steak von dem ich jetzt schon weiß, dass ich es nicht komplett vertilgen werde. Der Getränkemann ist äußerst auf Zack was besonders Mööö zu spüren bekommt. Kaum, dass er sein Bier halb ausgetrunken hat steht der schwarze Mann mit dem nächsten am Tisch, was die Stimmung am Tisch deutlich hebt. Entchen hatte mich ja schon vor zwei Jahren mit seinem Englischen Sprachwortschatz tief beeindruckt als er  unter anderem den Satz prägte: „Känn ei häff ä Aschenbecher“ , aber
Ullas internationale Sprachkenntnisse stehen Entchen` s in keiner Weise nach. Egal in welcher Sprache sie  was gefragt wird, sie antwortet automatisch immer völlig aufgeregt mit: „NO, NO Gracias“ und fuchtelt dabei aufgeregt mit den Armen, weil sie ständig glaubt, dass man ihr irgendwas zu überteuerten Preisen verkaufen will. Der schwarze Getränkemann möchte allerdings nur etwas freundliche  Konversation mit einer Pauschalblondine betreiben und fragt Ulla wie es ihr geht und Ulla antwortet selbstverständlich: „NO, NO Gracias“, was ihn leicht verstört aussehen lässt und mich dazu veranlasst noch einen Wein zu bestellen.
Nach dem Essen nehmen wir noch einen Mamajuana zu uns und gehen dann zur Poolbar. Um 21:00 Uhr beginnt wieder eine Tanzshow die sich Chantal und ich natürlich nicht entgehen lassen. Wir setzen uns hinter Anke und Uta und ich beobachte eigentlich mehr Anke als die Bühnenshow. Sie ist völlig verzückt von den geschmeidigen Tänzern und ich stelle mir vor, was sie mit so einem armen Kerl anstellen würde wenn sie nur einen in die Finger bekommen könnte. Kurz vor Ende der Show gehen wir wieder zurück zur Poolbar und verpassen so leider den Auftritt von Anke und Uta, die beim Abschiedstanz mit auf der Bühne rumhopsen durften. Ich habe keinen rechten Durst mehr heute und gehe kurz darauf ins Zimmer. Chantal hält auch nicht viel länger durch und bevor wir ins Bett gehen mischen wir uns noch einen Schlummertrunk aus Plastikrum und Pepsi, der lauwarm unglaublich verheerend schmeckt.

 

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