Heute ist Chantal eher wach als ich. Die Inselamateure haben für heute ihre zweite Tour geplant – eine Jeepsafari und er muss halb neun in der Lobby sein. Das Wetter scheint recht gut zu werden, so dass die Tour wohl auch stattfinden wird.  Ich kenne die Tour bereits und kann mich noch gut erinnern als Uta mitten im Urwald in die Hose geschissen hat, es gibt einfach Sachen die muss ich nicht zweimal haben. Ich warte bis Chantal verschwunden ist und gehe später gemeinsam mit Uta und Entchen frühstücken. Beim Frühstück stellen wir fest, dass es auch mal ganz schön ist einen Tag  ohne die Kackbratzen zu verbringen. Wir einigen uns, dass wir am Vormittag nach Puerto Plata fahren um endlich mal den dortigen Berg mit der einzigen Seilbahn in der Karibik zu erkunden.
Da man in Taxis für gewöhnlich abgezockt wird, wollen wir mit dem offiziellen Bus fahren, da dort eine Fahrt nur 15 Peso pro Nase kostet. Wir stehen kaum an der Hauptstrasse als auch schon ein klappriger Kleinbus hält in den wir einsteigen und mit uns ein Typ, der sich sofort als Stadtführer anbietet. Es dauert einen Moment bis wir ihm klar machen, dass wir ihn nicht leiden können und wir alleine um die Häuser ziehen wollen und als er es versteht, steigt er reichlich stinkig wieder aus dem Bus aus. Als nächstes will uns der Busfahrer mit dem Fahrpreis übers Ohr hauen, aber nach kurzer Diskussion steckt er dann doch die 50 Peso ein und fährt los.
Die Fahrt dauert ca. 20 Minuten und da wir nicht genau wissen wo wir aussteigen wollen quatscht uns im Bus der nächste Typ an. Er wittert auch sofort ein Geschäft, aber letztendlich sagt er uns nur wo wir aussteigen sollen und aufgrund meines sozialen Gewissens drücke ich ihm beim Abschied 50 Peso in die Hand. Wir stehen mitten im Zentrum und es ist tierisch heiß, schwül und laut. Kaum dass wir hundert Meter gelaufen sind fängt uns wieder ein Einheimischer ab, der uns einen selbst gebastelten Ausweis unter die Nase hält und uns mit wichtiger Mine erklärt, dass er bei der Stadt angestellt ist, sein Vater ein ehemaliger Minister sei und das er uns die Stadt zeigen will, natürlich ohne Entlohnung. Wir können ihn dann aber auch erfolgreich abwimmeln und laufen weiter in der Hoffnung, die Seilbahnstation zu finden. Unterwegs halten wir an einer Art Zoohandlung an um nach dem Weg zu fragen. Die schwarze Perle hinter der Ladentheke versteht aber nur Bahnhof und guckt uns an als seien wir Außerirdische. Entchen sagt, dass wir die Station schon allein finden werden, weil er den Plan hat und wir laufen wieder ca. 100 Meter unbehelligt weiter, als wir endgültig von einem Typen gekapert werden der uns zum Berg bringen will. Er heißt Jose und er legt ein Tempo vor als wäre er auf der Flucht. Unterwegs sperrt er Gestenreich komplette Straßenkreuzungen ab um uns unfallfrei auf die andere Straßenseite zu bringen. Mitten in einem Stadtviertel am Stadtrand fordern wir eine Auszeit und halten an einem kleinen Laden. Uns läuft der Schweiß in Strömen und wir brauchen etwas zu trinken. Uta und Entchen hauen sich ein Bier in den Kopf, während ich nur ein Wasser trinke. Jose scheint aber nicht viel von Pausen zu halten sondern jagt uns gleich wieder hoch und sagt das Bier können wir auch in der Seilbahn trinken. Als wir kurz vorm zusammenbrechen sind, stehen wir endlich an der Station. Um wieder Luft zu bekommen müssen Entchen und ich erst mal eine rauchen.
Jose besorgt inzwischen die Tickets und erzählt stolz, dass er umsonst fahren darf, was für uns so viel heißt – wir haben Geld gespart. Er kann es kaum abwarten und kaum das wir fertig sind stürzt er wieder los. Gerade als mir auffällt, dass wir die einzigen Menschen in der Station zu sein scheinen biegen wir um eine Ecke und wie auf ein unsichtbares Kommando hin fängt eine Merengue Kapelle ein Höllenspektakel an. Da ich der letzte bin der an ihnen vorbei läuft, wird mir die Ehre zu Teil ihnen 100 Peso in den bereitgestellten Hut zu werfen und kaum bin ich um die nächste Ecke verschwunden, lassen sie sofort ihre Instrumente fallen und es herrscht wieder gespenstige Ruhe in den heiligen Hallen.
Die Kabine der Seilbahn erinnert mich irgendwie an den Traditionszug der Thüringer Waldbahn aber Jose hat uns versichert, dass hier noch nie etwas passiert ist und die Bahn läuft wie ein Schweizer Uhrwerk. Die Fahrt verläuft recht gemütlich, zudem aus  einem eingebauten Autoradio flotte Karibische Klänge erklingen. Es dauert ca. 10 Minuten und man hat einen genialen Blick über die ganze Stadt und die Küste. Oben angekommen macht Jose  ein paar Fotos von uns und tobt dann sofort wieder los. Er scheint den Berg wie seine Westentasche zu kennen und bleibt routiniert an bestimmten Stellen stehen, die seiner Meinung nach die besten Motive für Urlaubsfotos hergeben. Auf dem Berg befindet sich auch eine kleinere Kopie der Christusstatue vom Zuckerhut in Rio und er positioniert uns perfekt vor ihr, um ein weiteres Foto zu schießen. Als ich es mir später auf dem Display der Kamera anschaue, bin ich für den Bruchteil einer Sekunde tiefgläubig.
Wir rennen ca. eine halbe Stunde um den halben Berg und Jose erklärt uns verschiedene Pflanzen- und Gemüsesorten die hier oben im Naturschutzpark vor sich hin wachsen. Unsere Bergwanderung endet in einer kleinen Kneipe in der wir uns ein paar Minuten bei einer Flasche eiskaltem Bier erholen. Wir bedanken uns bei Jose, drücken ihm jeder 400 Peso in die Hand und er verspricht uns noch bis zum Bus zu bringen, diesmal auf einem kürzeren Weg.
Er bringt uns bis zu einer belebten Hauptstraße und wartet mit uns gemeinsam bis ein so genannter Bus hält. Dieser Linienbus übertrifft meine kühnsten Erwartungen. Es ist ein schrottreifer, früher mal rot lackierter Kleinbus in dem schon einige frohgelaunte Einheimische sitzen. Ich setze mich rücklings hinter den Fahrer und zwänge meine Beine zwischen die monströsen braunen Schenkel eines jungen Mädchens. Uta und Entchen nehmen weiter hinten Platz. Hinter den Monsterschenkeln und direkt vor Uta sitzt allerdings ein junger Schokohase, der recht ansprechend aussieht und mich darüber hinwegtröstet, dass mir die Monsterschenkel gerade das Blut im rechten Bein abschnüren. Der Motor unseres Wagens hört sich nicht sonderlich gesund an und nachdem wir noch zweimal gehalten haben um noch ein paar Menschen in unseren geräumigen Innenraum aufzunehmen, scheint er langsam den Geist aufzugeben. Ein paar Minuten später ist es dann so weit, mitten in der Innenstadt geht er endgültig aus und es ist erstmal Endstation. Trotz der Panne sind alle Menschen fröhlich und der Busfahrer gibt uns zu verstehen, dass es gleich weiter geht. Er stellt sein Wrack am Fahrbahnrand ab und telefoniert erstmal. Während wir warten spricht mich plötzlich der Schokohase an. Ich erfahre, dass sie Julia heißt, Krankenschwester ist und einen guten Geschmack hat, da sie mich gerade angesprochen hat. Gerade als ich überlege eine Ohnmacht vorzutäuschen und mich somit in ihre Obhut zu begeben, kommt leider unser Ersatzbus und wir müssen wieder einsteigen. Unser erster Busfahrer steigt gleich mit ein und geht jetzt, wahrscheinlich, in den verdienten Feierabend. Kurz darauf hält der Bus wieder und Julia steigt aus. Sie winkt uns noch einmal zu und meine Sexphantasien lösen sich in Luft auf.
Zurück im Hotel sind wir alle drei reichlich geschlaucht und gehen für den Rest des Nachmittages an den Strand.
Am späten Nachmittag kommen die Dschungelamateure von ihrer Tour zurück und sind alle hellauf begeistert. Besonders Anke hat sich wohl durch gespielte Unsportlichkeit hervorgetan, sodass sie in den Genuss einer Sonderbehandlung durch einen durchtrainierten Tourenführer kam. Sie hat es schon faustdick hinter den Ohren.
Da jetzt alle im Dschungelfieber sind, gehen Chantal, Uta, Entchen und Mööö noch am Abend zu Dieter ins Plaza und buchen eine Tour die er uns angeboten hatte und die wohl relativ neu im Angebot ist.
Beim Abendessen verschlinge ich drei Stückchen Melone und fühle mich völlig ausgelutscht. Um halb acht gehe ich ins Zimmer und schlafe noch vor dem ersten Abschlag beim Frauengolf ein. Gegen 2:30 Uhr klopft an es an die Zimmertür und ich öffne Chantal. Seine Pupillen sind so groß wie Untertassen und er beschwert sich, dass gerade alle Bars geschlossen haben und er nichts mehr zu saufen kriegt. Während Chantal zügig und schnarchend auf dem Bett einschläft bekomme ich Hunger, was um diese Zeit relativ blöd ist. Gott sei Dank fällt mir ein, dass ich im Rucksack noch zwei Packungen Kaubonbons der Marke Mamba habe, die ich eigentlich Notleidenden Kindern schenken wollte. Ich beschließe, dass mich die Notleidenden Kinder mal am Arsch lecken können und esse die halbe Ration auf. Obwohl mir danach kotzübel ist, schlafe ich zufrieden wieder ein.

 

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